Kultur rund um den Wein

Wohl keine andere Stadt in Deutschland ist allein durch ihre Lage so prädestiniert, sich als heimliche Hauptstadt des deutschen Weines zu bezeichnen, wie Bingen. Denn hier stoßen die Anbaugebiete Rheinhessen, Nahe, Rheingau und Mittelrhein aneinander.

Mehr als 70 Winzer im Haupt- und Nebenerwerb bewirtschaften eine 531 Hektar große Fläche. Damit wird in Bingen mehr Wein angebaut, als in den kleineren deutschen Weinanbaugebieten.Auf den berühmten Weinlagen wie Scharlachberg oder Rochusberg, die den Binger Wein weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht haben, werden ausgezeichnete Qualitäten erzielt. Davon künden zahlreiche Auszeichnungen, zum Beispiel Staatsehrenpreise, Kammerpreismünzen und letztendlich der Ehrenpreis der Stadt Bingen.Aber nicht nur der Wein der Binger Winzer wird in Bingen vermarktet.

Große Kellereien beliefern von hier aus den Weltmarkt mit Millionen von Flaschen. Eine weitere Besonderheit in Sachen Wein findet sich in Bingen. So stand hier die Wiege des Eisweins, und zwar im Stadtteil Dromersheim. Belegt wird dies durch einen Artikel in der Zeitung „Rheinischer Volksbote“ vom Samstag, 21. Oktober 1832. Dort heißt es, dass die Weintrauben im Jahre 1829 wegen Mangel an Reife oft nicht gelesen wurden.

Der darauffolgende schlechte Winter mit zahlreichen Entbehrungen für Mensch und Vieh brachte mehrere Bewohner dazu, die noch an den Stöcken hängenden Trauben an das Vieh zu verfüttern.

Dabei fand man heraus, dass die Trauben, die einen Frost von minus 22 Grad Celsius überstanden hatten, noch Flüssigkeit enthielten. Kurzerhand presste man sie durch ein Tuch und kelterte den erhaltenen Most auf übliche Art. Heraus kam ein überaus guter, süßer Wein.Dokumentiert und amtlich bestätigt wurde dies von dem Besitzer bedeutender Weingüter, Herrn Hennern und dem damaligen Dromersheimer Bürgermeister Schmitt. Gelesen wurde übrigens am 11. Februar 1830.Auch die gesundheitsfördernde Wirkung des Weines wurde schon frühzeitig in Bingen erkannt und angewandt. So stellte schon die berühmte Äbtissin Hildegard von Bingen vor über 800 Jahren fest:

”Ein Wein von der Rebe, wenn er rein ist,
macht dem Trinker das Blut gut und gesund”

und erstellte mehr als 30 Kräuterrezepturen mit Wein.


 
 
 

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